Martin Hehemann

Und das macht einen natürlich nicht gerade beweglicher. Ich musste das zur Kenntnis nehmen, als ich nach Weihnachten zum ersten mal seit sechs oder sieben Jahren wieder einmal beim BSV Training in Holzhausen vorbeigeschaut habe: Die Begrüssung durch die ehemaligen Mannschaftskollegen war ja noch recht freundlich, dann wurde es allerdings rasch sehr schmerzhaft. Meine alten Sportskameraden Fred Anders und Reinhard Kleinheider schossen mich entspannt von der Platte und bescheinigten mir danach lächelnd, dass ich eh ganz gut gespielt hätte. Fünf Partien später und um einige Komplimente reicher hatte ich immer noch keinen Satz gewonnen. Dazu tat mir alles weh. Ich hatte Schmerzen an Körperstellen, von denen ich nicht wusste, dass es dort Muskeln gibt. 

 

 Trotzdem war es ein toller Abend. Es war wie früher – der leicht muffige Geruch der Halle, das Quietschen der Schuhsohlen und das Klicken der Tischtennisbälle. Ich habe mich gefühlt wie vor 20 Jahren während meiner aktiven Zeit. Ich erinnere mich sehr gerne zurück an diese Zeit. Ich war 12 Jahre alt als ich 1976 zum ersten Mal beim BSV-Training aufgekreuzt bin. Es gab sicher größere Talente als mich, und das hat  mir der ein oder andere meiner frühen Trainingspartner auch mitgeteilt. 

 

Aber ich habe mir damals mit großer Begeisterung Schläger und Ball geschnappt, lies mich von den ersten 100 Niederlagen nicht weiter beirren und war nur mit Gewalt von der Platte zu bringen. Diese Hartnäckigkeit, die nur mäßig entwickelte Begabung für den Ballsport einfach nicht zu akzeptieren, hat mich dann schließlich in die Schülermannschaft und sechs Jahre später in die 1. Herren gebracht. Ich kann mich noch gut an mein erstes Punktspiel für die Erste erinnern: Es ging auswärts nach Kloster Oesede. Wir spielten, wenn ich mich richtig erinnere, in folgender Aufstellung: Oben Reinhold Knorr und Thomas Stavermann, Mitte Rainer Dembler und Ulrich Hoppe, Unten Reinhard Kleinheider und ich. Es war ein sehr enges Match mit vielen knappen Spielen. Ich war so nervös, dass ich vor lauter Zittern das Beruhigungs-Kaugummi verschluckt habe. 

 

Irgendwie gelang es mir dann doch meine beide Einzel zu gewinnen. Und ich gebe gerne zu: Den Adrenalin-Kick während dieses ersten Punktspiels werde ich nie vergessen. Das war wie eine Fahrt mit der Achterbahn – nur schneller. Wir verliessen die Halle mit 9:6 als Sieger, und am Ende der Saison waren wir dann sogar Meister. Es folgten noch eine Reihe toller Jahre. Die direkte Saison nach dem Aufstieg war vielleicht die schönste, als wir als Neuling direkt den Durchmarsch in die Bezirksoberliga schafften. 1989 war dann Schluss für mich: Ich zog nach Wien, um dort zu studieren.

Was als Auslandssemester geplant war, ist die neue Heimat geworden. Seitdem lebe ich in Wien.

 

Ich bin jetzt 41 Jahre alt, habe eine Frau, die ich liebe, und eine Tochter, die ich vergöttere. Auch beruflich habe ich Glück gehabt. Ich habe zunächst einige Jahre als Journalist gearbeitet. Seit 1999 leite ich die Kommunikation eines österreichischen Bankkonzerns und gehe jeden Tag gerne in die Arbeit. Ich habe die Lehren, die mir in den ersten mühsamen Monaten an der Tischtennis-Platte beigebracht worden sind, beherzigt: Lass Dich nicht unterkriegen, wer nur lange genug am Ball bleibt, der verlässt irgendwann als Sieger den Tisch.  

 

Ich habe übrigens vor, in den nächsten Weihnachtsferien wieder zum Training zu gehen. Diesmal werde ich mich ein wenig vorbereiten. Mein Nachbar hat eine Platte im Keller, irgendwo müsste auch noch meine alte Kelle liegen – mal sehen, wer bei meinem nächsten Besuch beim BSV-Training die Komplimente verteilt…

Martin Hehemann (3.v.l.) in der legendären Tischtennis-Jugendmannschaft des BSV Holzhausen mit Frank Löhr (Kaufmann in Köln), Spitzenspieler Ulli Hoppe (Fotograf in Hamburg) und Birgit Löhr (Heute Mutter in Dissen und dort noch in der Landesliga aktiv, vormals bis in die 2. TT-Bundesliga bei TuS Glane).

Mag. Reinhilde Hört-Hehemann

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